LANGE SCHATTEN DER VERGANGENHEIT

AUFGABE Der „Checkpoint Charlie“ zählt zu den weltweit bekanntesten Erinnerungsorten des Kalten Krieges. Als ehemaliger Grenzübergang mit DDR-Grenzübergangsstelle und alliiertem Kontrollpunkt steht der Ort für die Teilung der Stadt Berlin im Zeichen des globalen Kalten Kriegs und dessen Überwindung. Ziel des Wettbewerbs ist es, den heute stark frequentierten Stadtraum neu zu ordnen und zu einem Ort zu entwickeln, an dem historische Ereignisse vermittelt sowie Raum für Auseinandersetzung und Debatten geboten wird und zugleich öffentliche Nutzungen möglich sind.
STRATEGIE Der „Grenzübergang“ wird in einen transitorischen leeren Raum übersetzt, welcher den Rahmen für die Projektion der ikonischen Bilder der Geschichte des kalten Krieges bildet. Um den genius loci herauszuarbeiten werden prägende Elemente des Checkpoint ausgewählt, zitiert, überformt, übersteigert, neu interpretiert und zur Neugestaltung des Ortes genutzt.
Die Gestaltung erlaubt die Erkundung historischer Spuren und Erzählungen und ist ein Angebot an die Berliner, den Ort als IHREN Stadtraum neu zu nutzen.

LEERE Es wird ein zusammenhängender Raum konturiert in dem eine Vielzahl an zeitgleich stattfindenden Begegnungen ermöglicht werden. Die Leere des Ortes ist dabei konzeptuell relevant. Durch die neu geformte Topographie der Platzfläche wird der Raum verfremdet und eine Verlangsamung des Verkehrs evoziert.

Foto: Will McBride,
Berlin Friedrichstraße, Checkpoint Charlie 1961
LICHTMASTEN Die innerdeutsche Grenze war entlang es „Todesstreifens“ grell ausgeleuchtet.
Für die Neugestaltung des Checkpoints werden die Lichtmasten der Grenzanlagen formal zitiert und mit multifunktionaler Infrastruktur ausgestattet.
Sie funktionieren als Protagonisten der Inszenierung des Platzes sowie als Wegeleitsystem der Ausstellung.

AUFENTHALTSQUALITÄT Vegetation wird genutzt um die Kubatur des Platzes zu definieren.
Inspiriert von der Spontanvegetation auf Brachflächen werden nach der Miyawaki-Methode heimische, an den Klimawandel anpassungsfähige Arten gepflanzt, welche sich zu schnell wachsenden Biotopen entwickeln, die zusammen mit den Brandwänden thematisch auf die „leere Stadtbrache“ verweisen.
Wasser wird als kühlendes und atmosphärisches Element gegen Überhitzung eingesetzt.
Die Masten und Grünflächen sind mit Vernebelungstechnik ausgestattet, Nebelwolken erzeugen bei Bedarf Verdunstungskälte für die Besucher:innen und befeuchten die Biotope. In den Bruchkanten der modellierten Platzfläche eingebaute Rinnen ermöglichen die Flutung und Abkühlung der Platzfläche.

SZENOGRAPHIE Die Platzoberfläche wird zu einer Landkarte.
Die Positionierung der Masten, die Geländebruchkanten und die in den Boden eingelassenen historischen Artefakte kartieren die Geschichte welche dem Ort eingeschrieben ist.
Die nummerierten Masten bieten Orientierung und leiten die Besucher:innen visuell und akustisch durch den Erinnerungsort.

PARCOUR DER IKONISCHEN BILDER Der ehemalige Todesstreifen an der südlichen Platzkante funktioniert als Scharnier zwischen Straßenraum und dem Erinnerungsort. Diese ehemals unbetretbare Zone wird umgedeutet und mit Erinnerungsmaterial angefüllt.
Als Auftakt zu der offenen Platzfläche definieren langgestreckte Sitzbänke und aufgereihte Bildtafeln hier einen musealen Ausstellungsraum für die ikonischen Bilder dieses Ortes.
PROJEKTIONEN Der Info-Pavillon wird unter die Platzfläche geschoben die darüber zu einer Tribüne / Aussichtsplattform ansteigt und mit der gegenüberliegenden Brandwand ein Forum ausbildet. Videoprojektionen an der Aussen- und Innenfassade des Pavillons ermöglichen die Vermittlung aktueller Informationen zur Einbettung des Kalten Krieges in den globalen Kontext.
Die historischen Brandwände werden mit kuratierten Projektionen und Soundinstallationen unter Ausnutzung der technische Ausstattung der Mastleuchten bespielt.

Ausleuchtung Artefakte

Markierung Grenzübergang

Ausleuchtung Artefakte
LICHTTECHNIK Die L-Form des Masts und des Leuchtenkopfs orientiert sich am historischen Original und wird mit moderner Licht- und Steuerungstechnik sowie multifunktionalen Komponenten kombiniert. Dadurch lassen sich unterschiedliche Lichtcharakteristiken und Lichtszenen flexibel realisieren. Für die Ausdifferenzierung verschiedener Raumsituationen werden die Lichtmasten als "Mastfamilie" mit unterschiedlichen Höhen und individueller Bestückung konzipiert.
Die einheitliche Leuchtenfamilie mit vergleichbarer Lichtintensität gewährleistet dabei ein konsistentes Gesamtbild.
Die markante Masthöhe fungiert als prägendes Gestaltungselement und ermöglicht zugleich die Integration zusätzlicher Gobo-Projektoren mit Extra-Wide Linse, mit denen Projektionsflächen von bis zu 40 × 35 m bespielt werden können.
